جودیت آواز میخواند | Judith is singing (nach Doré)

Körper und Klang: Zu André Werners Triptychon „Judith is singing“
André Werners Triptychon „Judith is singing“ verbindet eine Ikone der europäischen Kunstgeschichte mit dem Freiheitskampf iranischer Frauen. Das Herzstück der Arbeit bildet das Werk „Judith is singing (after Doré) I“ (2026), eine direkte visuelle Antwort auf Gustave Dorés berühmten Holzschnitt Judith showing the head of Holofernes.
Wo das historische Vorbild den Moment des Triumphs noch an eine grausame Gewalttat koppelt, bricht die Neuinterpretation von André Werner mit dieser Logik und setzt dem Tyrannenmord ein Bild des lebendigen Widerstands entgegen.
Die vertraute Komposition ist in einen staubigen Randbezirk des modernen Teheran versetzt. Doch anstelle des abgeschlagenen Kopfes eines Herrschers hält diese Judith ihr eigenes Gesicht empor – unverschleiert, das offene Haar im Wind, während sie mit leidenschaftlicher Intensität aus voller Kehle singt. Flankiert wird diese Szene von den Arbeiten „Judith is singing I“ und „Judith is singing II“, die das Motiv ins Allgemeinere erweitern und sich von der strengen Bildvorlage lösen. Als Fine Art Prints auf Barytpapier erhalten die Porträts eine fast greifbare, haptische Tiefe.
Die politische Dimension dieser Bilder entfaltet sich über ihre pure Sinnlichkeit. Unter einer theokratischen Ordnung, die das offene Haar und jedes öffentliche Singen von Frauen brutal unterdrückt, wird der bloße Gesang zum subversiven Akt. Werners Judith-Figuren brauchen keine Waffen, um ein patriarchalisches System ins Wanken zu bringen. Ihre Befreiung vollzieht sich im Hier und Jetzt: gewaltfrei, unnachgiebig und getragen von der schieren, ungezähmten Präsenz ihrer eigenen Stimmen.
Matou de Marsalle
جودیت آواز میخواند. | Judith is singing I

جودیت آواز میخواند. | Judith is singing II
